Der Baader Meinhof Komplex

5 10 2008

Hallo zusammen,

es war ein anderer Kinoabend als sonst. Wir waren zu Siebt im Baader Meinhof Komplex und es war eine angespannte Stimmung nach dem Film. Es bestand Gesprächsbedarf unter uns…der Film bewegt. Das Kapitel RAF ist in unserer Geschichte ja noch ein recht Junges, ich hatte davon auf jeden Fall in der Schule noch nie etwas gehört. Erst über die Flugzeugentführung der „Landshut“ wurde ich auf die RAF und die ganzen Zusammenhänge aufmerksam.

Jetzt wurde das Buch von Stefan Aust verfilmt. Bernd Eichinger hat die erste Garde der deutschen Schauspieler für diesen Film zusammengetrommelt und ich muss sagen, es hat sich wahrlich gelohnt. Die Intensität des Stoffs und die Darstellung der Protagonisten ist beeindruckend. Die Wandlung von Aufständischen zu Topterroristen ist glaubhaft (und erschreckend) dargestellt. Durch reale Tagesschauberichte, Radiosendungen und eine perfekte Ausstattung taucht man komplett in die damalige Zeit ein. Für mich, als jemand der 1979 geboren wurde, ist es heute unvorstellbar, in einem Land zu leben, in dem Polizeibrutaliät herrscht, in dem Fahndungsplakate an jeder Ecke hängen, die Nachrichten voll von politischen Morden und Bombenanschlägen sind und in der Verlagshäuser und Autos brennen…das alles fängt der Film perfekt, bedrückend perfekt ein… mein Fazit: Der Film ist keiner, nachdem man einfach so schlafen geht, er fesselt, beeindruckt und hat für mich das Prädikat „unbedingt ansehen“ verdient. Bleibt zu hoffen, dass auch dieser Teil unserer Geschichte bald in die Schulen einzieht…

„Die Revolution sagt:
ich war
ich bin
ich werde sein“

Gruß, ein nachdenklicher Martin

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8 responses

6 10 2008
Oliver

Hallo Martin,

sehr schöner Eintrag. Ich kann Dir in allem zustimmen. Ich war vorgestern in dem Film und ich war fasziniert. Wir haben Abends noch mit meiner Tante gesprochen und sie meinte, dass sei eine schreckliche Zeit gewesen damals. Überall Gewalt, auf der ganzen Welt Morde und Anschläge, an jeder freien Wand hingen Plakate mit den RAF Köpfen. Wie Du schon sagst, wir können uns das heute gar nicht mehr vorstellen…

Oli

6 10 2008
lalia

sehr erschreckend fand ich auch, dass ich die 68er Revolte und die Anfänge der RAF, die im Film vorkommenden Beweggründe, nachvollziehen kann.
Nur, dass gewaltige Ungerechtigkeit in der Welt, mit ungerechter Gewalt bekämpft wurde, machte doch sogar im Sinne der Anfänge keinen Sinn? Oder hab ich da den Film falsch verstanden?
Warum waren Waffen plötzlich so wichtig?
das hab ich noch nicht alles so verstanden.

6 10 2008
edlf

Hallo ihr beiden,

danke für die Kommentare.

@lalia: Das ging mir ganz ähnlich, ich konnte mich durchaus mit den Zielen und Positionen am Anfang der Bewegung identifizieren. Vor allem, wenn man die Polizeigewalt sieht. Es war ein Aufbegehren gegen die Elterngeneration (und die rechte Gesinnung etlicher) und die Ungleichverteilung in der Welt. Wie es dann zu einer derartigen Gewalteskalation kommen konnte verstehe ich auch nicht. Ich denke, einerseits waren die Köpfe der RAF einfach gewaltbereite Menschen, die zusammen mit einer Ideologie durchaus zu töten bereit waren. Auch hier finde ich es wichtig, die Leute als Terroristen darzustellen…es sollte da nichts verharmlost werden. Das kommt gerade zum Schluss des Filmes ja auch gut heraus, als die 3. Generation sich über Baader und Meinhof unterhalten.

Vielleicht ist es für uns heute auch nicht so einfach, sich in die Situation von damals hineinzuversetzen. Mir ist auch nicht klar, warum man zur Waffe gegriffen hat, aber ich war auch in den 68ern kein Student. Ich habe nicht am eigenen Leib erfahren, wie Polizisten Kommilitonen nieder prügeln und wie die Welt scheinbar immer roher und brutaler wird…versteht mich nicht falsch, ich will das gar nicht gut heißen, aber ich würde gerne die Motive verstehen.

Gruß, Martin

8 10 2008
lalia

eben, das verstehen, was dort vorging, kann man als Zuschauer mit Abstand und ohne „dabei gewesen“ zu sein, irgendwie nicht. Man stellt sich nur weitere Fragen.

Aber von wegen Terroristen, da kam mir im Film die Meinhof eher als leitende Kraft vor, nicht als treibende. Irgendwann hat sie die Gewalt versucht zu lenken – und da kam es mir im Film so vor, dass sie die Gruppe an sich nicht anführen wollte, sondern in eine Richtung führen wolltem in der ihre Ziele auch durchgesetzt werden. Auch bei der Gerichtsszene, als sie den Anschlag auf ihre ehenmaligen Kollegen als Fehlschlag bezeichnet, scheint doch so etwas wie Reue und Gewissen dagewesen zu sein.

Was für Ziele es auch immer gab ?_?

8 10 2008
edlf

Ja, dass habe ich auch so empfunden. Das kommt ja auch ganz gut raus, als Ensslin ihr zuraunt, sie sei das Messer im Rücken der RAF. Und sie hat es auch als erste nicht mehr ausgehalten und sich umgebracht…wie auch immer, ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte…

Gruß,
Martin

8 10 2008
lalia

ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte…

wo ich mir ein bisschen mehr Aufklärung wünschen würde.

8 10 2008
edlf

Da müsstest Du vielleicht mal das Buch „Der Baader Meinhof Komplex“ von Stefan Aust lesen…ist ganz gut…

Gruß,
Martin

22 01 2009
Lea

Auch mir war die Geschichte der RAF nicht geläufig, hatte man in der Schule das nicht durchgenommen (ein unheimlich große Schande wie ich finde) und zu jung bin ich auch, alsdass ich sie miterlebt hätte können. Deshalb fand ich den Film unheimlich interessant auf der einen Seite, erschreckend auf der anderen und auch wirklich sehr nachdenklich machend. Ich hatte ihn mit meinem Freund zusammen gesehen und wir haben danach auch noch geredet.
Danach habe ich mich noch etwas länger mit dieser Geschichte beschäftigt, das Drehbuch gelesen und ein wenig recherchiert. Hat mich schon ein wenig länger beschäftigt, diese ganze Sache.

Liebe Grüße
Lea

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