Zug der Erinnerungen

9 03 2008

Hallo zusammen,

eigentlich geht es in diesem Blog ja immer recht heiter zu. Dieser Post hier hat einen etwas ernsteren Charakter. Zur Zeit tourt eine Ausstellung durch Deutschland, die es verdient hat, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Das Projekt heißt „Zug der Erinnerung“. Dabei werden drei Wagen von einer Güterzugdampflokomotive gezogen. In diesen Wagen befindet sich eine Ausstellung zum Thema „Deportation von Kindern“. Vom 9. bis zum 12. März ist der Zug im Düsseldorfer Hauptbahnhof zu Gast. Heute Morgen gab es nach der Ankunft eine kleine Eröffnungsveranstaltung…

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Die Bahn, allen voran wohl Herr Mehdorn hat versucht, die Ausstellung zu verhindern. Ein Bahnhof sei kein Ort für so etwas. Auch in den Reden heute Morgen wurde er scharf angegriffen, weil die Bahn sich jede Minute an einem Bahnhof teuer bezahlen lässt. Einen ganz interessanten Videobeitrag dazu gab es unlängst in der ZDF Sendung WISO.

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Die ganze Veranstaltung heute Morgen war zwar schlicht, aber deshalb nicht weniger ergreifend. Nachdem der Oberbürgermeister von Düsseldorf, Joachim Erwin eine Rede gehalten hat…

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…folgten ihm noch einige andere Redner nach. Ich fand besonders einen Rabbi, welcher einen hebräischen Liedtext gesungen hat und eine Dame nachhaltig beeindruckend. Die Dame hat aus einem Brief vorgelesen, den ein Besucherkind an eines der umgebrachten jüdischen Kinder geschrieben hat. Ich glaube, ich war nicht der einzige mit einem Kloß im Hals. Man muss sich diese Situation vorstellen, da steht dieser Zug am Bahnsteig, es riecht nach Dampf und Kohle, die typischen Geräusche eines Bahnhofes kommen dazu und dann liest diese Frau mit fester, klarer Stimme diesen Brief vor…unglaublich.

Im Zug selber finden sich dann Dokumente, Fotos und Erklärungen zur äußert exakt und effizient geplanten Deportation der Kinder und Jugendlichen. Einige audiovisuelle Vorführungen runden diese eindrückliche Sache ab…

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Obwohl ich es nicht mag, wenn man meiner Generation Vorwürfe wegen dem NS-Regime macht und auch nicht mit allen Arten der Wiedergutmachung einverstanden bin, so finde ich doch, dass es dieses Projekt verdient hat, eine breite Zahl an Menschen zu erreichen. Ich habe mich gefreut, dass heute schon so viele Kinder und Jugendliche da waren. Ich möchte nicht, dass wir uns schuldig fühlen, aber ich möchte, dass wir solche Dinge nicht vergessen. Die Zeitzeugen werden mit jedem Tag weniger, es ist wichtig, solche Dokumente und Geschichten für die späteren Generationen präsent zu halten.

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Wie gesagt, eine interessante Sache. Wer sich für den Zug der Erinnerungen interessiert, kann ja mal nach Düsseldorf fahren, oder sich auf der entsprechenden Internetseite erkundigen.

Gruß, Martin

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One response

19 04 2008
Mediocre

Jetzt ist er auch in Berlin angekommen.
Die meisten Besucher des Zuges hatten aber mehr an Grundbedürfnisbefriedigung als an die ästhetischen Fragen des Erinnerns gedacht und für ausreichend Proviant gesorgt. Da standen sie nun auf Gleis 1 des Ostbahnhofes mit Kaffeebechern und Eiswaffeln in den Händen oder bissen herzhaft ins belegte Brötchen, während Herr Schenkmann, ein Überlebender der Konzentrationslager, davon berichtete, wie erst seine Großmutter und wenig später sein Großvater im Lager verhungerten.

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