Die moderne Bibliothek!?

27 02 2008

Hallo zusammen,

es ist wieder soweit, wir stecken in den Vorbereitungen für den diesjährigen SommerLeseClub. Nachdem die Veranstaltung im letzten Jahr ja recht erfolgreich bei uns gestartet ist, hoffen wir, in diesem Jahr, den Erfolg noch vergrößern zu können. Ein wichtiges Element dabei ist sicherlich der SLC Blog, den Sonja und ich letztes Jahr erstellt haben und seitdem pflegen und betreuen.

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Bereits im vergangen Jahr und auch jetzt wieder erhalten wir für den Blog Lob und Anerkennung von Kollegen aus anderen Bibliotheken. Natürlich freut uns das, steckt dort doch viel Arbeit drin (meistens unbezahlte Arbeit, da in der Freizeit dran gearbeitet wurde). Aber, mich haben die vielen positiven Kommentare auch nachdenklich gemacht…da werden wir für eine Technologie gelobt, die eigentlich ihre Hochzeit bereits hinter sich hat…

Die moderne Bibliothek!?

Und wenn man mal so überlegt, oder bei den Lesern nachfragt, wie die Bibliotheken nach außen hin wirken, ist das schon erschreckend, oder? Fragt Euch doch mal selbst, was ihr für ein Bild im Kopf habt, wenn ihr an Büchereien denkt…eben.
Irgendwie hinken Bibliotheken dem Trend hinterher. Viele Bibliotheken haben ihr Internetplätze eingerichtet, als schon fast jeder einen I-Net Anschluss zu Hause hatte. Es soll im Land immer noch Bibliotheken geben, in denen nicht jeder Mitarbeiter weiß, wie man eine Email verschickt…ich meine, wir haben 2008!

Ich habe mein Praktikum in einer Großstadtbibliothek gemacht, wo immer noch Leihscheine aus Papier ausgefüllt wurden und diese dann via Brief verschickt worden sind. Woran liegt so etwas? Gibt es nicht genug Leute mit kreativen, neuen Ideen oder kommen diese nur nicht zum Zug?
In vielen Bibliotheken scheint eine Art Angst vor dem Neuen zu herrschen…Auskunftsfragen werden nach wie vor ausschließlich mit Hilfe von Enzyklopädien beantwortet…mal ehrlich, was nützt einem Jugendlichen denn ein Dreizeiler aus dem Brockhaus. Heute werden doch auch an die Schüler ganz andere Anforderungen gestellt.

Versteht mich nicht falsch, Lesekompetenz und Leseförderung sind wichtige Güter, die es zu schützen gilt, aber wenn eine Bücherei heute bestehen möchte und Leser werben oder halten will, darf das nicht alles sein. Wir müssen es schaffen,uns als Informationsdienstleister zu definieren. Die Zeiten, in denen wir den Lesern vorgeschrieben haben, was sie zu lesen haben sind, Gott sei Dank, vorbei. In der heutigen, vernetzten Welt, muss man diese Netze nutzen…
Einen Rechner mit Google hat jeder zu Hause. Wir müssen in der Lage sein, Recherchewege zu vermitteln, wir müssen eben mehr im Netz finden als die 80 Prozent, die Google abdeckt. Unsere großen Chancen sich zu profilieren liegen in den socialseraches wie wikisearch und anderen, interaktiven Angeboten. Secondlife, Blogs, Flickr, und und und…die Stadtbücherei Nordenham zum Beispiel betreibt eine Homepage mit ihren fixen Daten und einen Blog mit Fotos von Veranstaltungen und dem Leben in der Bücherei, da werden Vorbereitungen gezeigt und das ganze Drumherum. Will man heute up to date bleiben, muss man sich innovative Ideen zu nutze machen.

Ein großes Thema in vielen Bibliotheken ist zur Zeit die Möglichkeit der Selbstverbuchung. Dortmund hat es, Duisburg auch…aber ist das ein Weg mit Zukunft? Ich weiß es nicht…meine Erfahrung sagt mir, dass die Leser an der Theke lieber von einem Menschen aus Fleisch und Blut bedient werden, der sie nach dem letzten Urlaub fragen kann, der hilfsbereit ist und die Verabschiedung mit einem Lächeln quitiert und nicht mit einem Summton. Ein Selbstverbucher als Ergänzung ist sicher eine feine Sache, und als zusätzliche Verbuchungsmöglichkeit ist so ein Gerät sicher sinnvoll, aber das alleine macht keine moderne Bibliothek aus. Für mich setzt sich eine moderne Bibliothek aus ausgepfeilter, funktioneller Technik, einem Personalstamm, welcher sich mit eben dieser Technik auskennt, kompetent unter zur Hilfenahme der neuen Medien beraten kann, dabei freundlich und zuvorkommend ist und einer Leitung, die offen und zugänglich für neue Ideen ist, zusammen.

Gelingt es, diese Faktoren zu vereinen, steht unseren Bibliotheken im Land eine rosige Zukunft bevor…

Just my two cents…

Gruß, Martin

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11 responses

27 02 2008
Susanne

Hallo Martin,

Du schreibst mir aus der Seele. Ich arbeite in einer kleinen Bücherei in Bayern und bei uns ist es, wie von Dir beschrieben…bloß nichts Neues!

Aber, das was ihr da in Erkrath gemacht habt ist schon toll, echt. Der LeseClubBlog ist wirklich schön geworden und Eure Wiedereröffnungsfeier sah auch toll aus…viel Erfolg weiterhin…

Kollegiale Grüße aus Bayern,
Susanne

28 02 2008
Maik

Hi Martin,

meine Vorrednerin kommt von „unten“, ich komme von „oben“. Ich arbeite in einer mittelstädtischen Bücherei in Schleswig-Holstein. In dem, was da bei Dir steht erkenne ich unsere Bibliothekare wieder. Bloß keine Kreativität zulassen. Es ist echt schade…den Blog aus Nordenham kannte ich bislang nicht, aber der strotzt ja vor tollen Einfällen.

Da hast Du in Erkrath als FAMI ja offenbar echt Glück gehabt…ihr habt nen Blog…

CU Maik

28 02 2008
Stefanie

Wie haben wir in der Bachstrasse immer gesagt: „Der beliebteste Satz in Bibliotheken ist: Tut mir leid, haben wir nicht“. In meinem Ausbildungsbetrieb war das oft so. Da gab es keine Recherche die über den eigenen Katalog hinausging…jetzt arbeite ich in einer Bücherei in den Niederlanden, da herrscht irgendwie eine andere Philosophie 😉

Übrigens schön, dass Du dieses Blog führst, da weiß man wenigstens, was aus dem einen oder anderen aus der Berufsschule geworden ist. Habe Dich über das FAMI POrtal gefunden und werde hier sicherlich weiterhin mitlesen 😉

Steffi

28 02 2008
Sonja

Leider scheint es so zu sein,d ass das ganze ein gängiges Problem in vielen Bibliotheken ist.
Ist da nicht gerade die Gefahr,d ass wir uns selber abservieren?
Durch die traditionellen Sätze „Schauen wir doch mal am Regal“ oder der gewissen Scheu einiger Kollegen, auch mal Technologien aus der Gegenwart zu nutzen.

Die Leser sind nicht von uns abhängig, die beschaffen sich ihre Infos (wenn auch nicht immer gut recherchiert) mal eben bei Google und Konsorten.

Wir müssen neue Wege finden; denn eine Konkurrenz zum Internet sind wir nicht und werden es nie sein.
Guter Service, gute Recherchen und ein guter Umgang- das mögen und wollen die Leute.
Ich bin auch für Neuerungen- aber laufen wir nicht Gefahr, zu anonym und abweisend zu wirken, wenn man auch in kleinen Bibliotheken Selbstverbucher einrichtet?

Wir sind es nacher, die abgehängt werden!

Sonja

28 02 2008
Maik

Hallo nochmal,

@Sonja: Ich denke nicht, dass man Selbstverbucher ganz aus kleinen Bibliotheken raushalten sollte, sie müssen nur richtig integriert werden. Wenn es total voll ist, können die Leute auf soetwas ausweichen, aber ich bin strikt dagegen herkömliche Theken abzubauen. Egal wie groß oder klein die Bibliothek ist.

CU Maik

29 02 2008
Sonja

@Maik- da gebe ich dir Recht und genau das ist es, was ich auch meine.
Die Konsequenz- gerade in kleineren Bibliotheken- ist es ja eben, dass Selbstverbucher Planstellen ersetzen, weil dies „kostengünstiger“ ist. Auch wenn es sich im Alltag nicht bewährt. DIe Theke wird verkleinert und ein neues Buchungssytem an deren Stelle.

In Großstadtbibliotheken sind solche Hilfsmittel richtig und vereinfachen den Ablauf enorm; auch in kleinen Bibs durchaus einsetzbar und innovativ.
Aber leider rationalisiert man ganz oft Arbeitsstellen weg mit der Begründung, so ein Selbstverbucher nimtm die Arbeit ab.
Doch ein Fami/Assistent leistet neben der eigentlichen VErbuchungsarbeit noch viele andere Aufgaben, die von den übrig gebliebenen Kollegen mitgetragen werden.

Sonja

29 02 2008
edlf

Hallo zusammen,

das ist ja klasse, mit dem Post habe ich ja richtig was losgetreten. Ersteinmal freue ich mich von Dir, Stefanie, mal wieder was zu hören. Bis nach Holland hat es Dich also verschlagen…spannend.

Auch den anderen danke ich herzlich für ihre Berichte und Statements. Zum Thema Selbstverbucher kann ich mich nicht wirklich objektiv äußern, da in Rheinberg, meinem Ausbildungsbetrieb, ein ebensocher meinen Arbeitsplatz gekostet hat. Interessant dabei, und auch recht typisch für Städt und ihre grünen Tisch Entscheidungen, ist die Tatsache, dass eine Kollegin und ich zwar schonmal gehen mussten, aber der anvisierte Selbstverbucher bis zum heutigen Tag nicht installiert ist…nun ja.

Das man aber generell auch kleinere Bibliotheken mit moderner Technik ausrüstet finde ich gut und wichtig. Wir in Erkrath haben ja zum Beispiel auch RFID, sicherlich auch nicht ganz typisch für eine Bibliothek unserer Größe. Diese Technik hat das Arbeiten am Arbeitsplatz „Theke“ aber wirklich vereinfacht…und ihn nicht überflüssig gemacht…

Ich bin gespannt, ob es hier noch weitergeht…die Reaktionen hier gefallen mir sehr gut…bestätigen sie doch meine Annahme, dass es in vielen deutschen Bibliotheken noch recht „altbacken“ zugeht…

Gruß,
Martin

29 02 2008
Maik

@Sonja:

Das stimmt natürlich auch wieder. Sicherlich ein politisches Minenfeld. Wie will ich als Leitung die Anschaffung eines teueren Selbstverbuchers und die Haltung von teurem Fachpersonal erklären…insofern ist die Gefahr, die Du da siehts durchaus real, das sehe ich auch so…

CU Maik

29 02 2008
Frank

Hallo aus dem Sauerland,

wo Maik das gerade mit dem Personal anspricht. Für mich ist ein weiteres Problem in der heutigen Bibliothekslandschaft in der Personalpolitik zu suchen. Viele FAMI Azubis lernen doch für die Arbeitslosigkeit. Immer mehr Bibliotheken stellen Ehrenamtliche oder 1-Euro Jobber ohne die bibliothekarischen Qualifikationen ein. Das deckt zwar zunächst den Bedarf an der Theke oder beim Rückstellen der Medien, schadet aber auf lange Sicht der Bibliothek, da diese Kräfte einfach keine fachlichen Auskünfte geben können…

FAMI und Bibliothekar sind doch heute gar nicht mehr soweit auseinander. Die Ausbildung ist qualitativ hochwertig und sollte auch entsprechend honoriert werden. Man ist meilenweit vom Assisteten entfernt, allerdings wird das in den Städten und Gemeinden nicht realisiert…immer noch lese ich in Stellenanzeigen „FAMI/Assistent“ gesucht…auch von den Aufgaben höre ich in meinem Umfeld immer wieder, wie unzufrieden die FAMIs sind. Man sollte sich doch die Wissensbasis von gut ausgebildeten, jungen Leuten zunutze machen und eben nicht, wie Du es beschreibst Martin, an alten Zöpfen festhalten…auch das Standesdenken in einigen Bibliotheken müsste langsam mal dem zielorientierten Arbeiten weichen…

Frank

29 02 2008
Susanne

Da hat Frank auf jeden Fall Recht. Ich habe auch schon von Freundinnen gehört, die außer Medien zurückstellen und Thekendienst gar nichts machen dürfen…es gibt sogar Bibliotheken, wo die Bibls nicht mit den FAMIs zusammen Pause machen und essen…so schlimm ist es bei uns Gott sei dank nicht…

Schon interessant, das es anderen auch so geht wie mir…ich dachte immer, nur ich mache mir Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken…

Grüße,
Susanne

29 02 2008
edlf

Hallo nochmal,

also da haben wir in Erkrath wirklich Glück. Sowohl unsere Azubis, als auch wir FAMIs tragen Verantwortung und dürfen an Projekten teilnehmen. Ich betreue auch ein Lektorat und führe, zusammen mit Sonja Projekte durch…das ist schon echt klasse und macht auch eine Menge Spaß…das man als FAMI zu wenig verdient ist glaube ich auch jedem hier klar, oder? 😉

Übrigens hat Erkrath seit heute eine neue Homepage und wir verweisen dort auf unsere beiden Blogs…

http://tinyurl.com/2sqg2t

Gruß,
Martin

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