Hallo zusammen,
es ist wieder soweit, wir stecken in den Vorbereitungen für den diesjährigen SommerLeseClub. Nachdem die Veranstaltung im letzten Jahr ja recht erfolgreich bei uns gestartet ist, hoffen wir, in diesem Jahr, den Erfolg noch vergrößern zu können. Ein wichtiges Element dabei ist sicherlich der SLC Blog, den Sonja und ich letztes Jahr erstellt haben und seitdem pflegen und betreuen.
Bereits im vergangen Jahr und auch jetzt wieder erhalten wir für den Blog Lob und Anerkennung von Kollegen aus anderen Bibliotheken. Natürlich freut uns das, steckt dort doch viel Arbeit drin (meistens unbezahlte Arbeit, da in der Freizeit dran gearbeitet wurde). Aber, mich haben die vielen positiven Kommentare auch nachdenklich gemacht…da werden wir für eine Technologie gelobt, die eigentlich ihre Hochzeit bereits hinter sich hat…
Die moderne Bibliothek!?
Und wenn man mal so überlegt, oder bei den Lesern nachfragt, wie die Bibliotheken nach außen hin wirken, ist das schon erschreckend, oder? Fragt Euch doch mal selbst, was ihr für ein Bild im Kopf habt, wenn ihr an Büchereien denkt…eben.
Irgendwie hinken Bibliotheken dem Trend hinterher. Viele Bibliotheken haben ihr Internetplätze eingerichtet, als schon fast jeder einen I-Net Anschluss zu Hause hatte. Es soll im Land immer noch Bibliotheken geben, in denen nicht jeder Mitarbeiter weiß, wie man eine Email verschickt…ich meine, wir haben 2008!
Ich habe mein Praktikum in einer Großstadtbibliothek gemacht, wo immer noch Leihscheine aus Papier ausgefüllt wurden und diese dann via Brief verschickt worden sind. Woran liegt so etwas? Gibt es nicht genug Leute mit kreativen, neuen Ideen oder kommen diese nur nicht zum Zug?
In vielen Bibliotheken scheint eine Art Angst vor dem Neuen zu herrschen…Auskunftsfragen werden nach wie vor ausschließlich mit Hilfe von Enzyklopädien beantwortet…mal ehrlich, was nützt einem Jugendlichen denn ein Dreizeiler aus dem Brockhaus. Heute werden doch auch an die Schüler ganz andere Anforderungen gestellt.
Versteht mich nicht falsch, Lesekompetenz und Leseförderung sind wichtige Güter, die es zu schützen gilt, aber wenn eine Bücherei heute bestehen möchte und Leser werben oder halten will, darf das nicht alles sein. Wir müssen es schaffen,uns als Informationsdienstleister zu definieren. Die Zeiten, in denen wir den Lesern vorgeschrieben haben, was sie zu lesen haben sind, Gott sei Dank, vorbei. In der heutigen, vernetzten Welt, muss man diese Netze nutzen…
Einen Rechner mit Google hat jeder zu Hause. Wir müssen in der Lage sein, Recherchewege zu vermitteln, wir müssen eben mehr im Netz finden als die 80 Prozent, die Google abdeckt. Unsere großen Chancen sich zu profilieren liegen in den socialseraches wie wikisearch und anderen, interaktiven Angeboten. Secondlife, Blogs, Flickr, und und und…die Stadtbücherei Nordenham zum Beispiel betreibt eine Homepage mit ihren fixen Daten und einen Blog mit Fotos von Veranstaltungen und dem Leben in der Bücherei, da werden Vorbereitungen gezeigt und das ganze Drumherum. Will man heute up to date bleiben, muss man sich innovative Ideen zu nutze machen.
Ein großes Thema in vielen Bibliotheken ist zur Zeit die Möglichkeit der Selbstverbuchung. Dortmund hat es, Duisburg auch…aber ist das ein Weg mit Zukunft? Ich weiß es nicht…meine Erfahrung sagt mir, dass die Leser an der Theke lieber von einem Menschen aus Fleisch und Blut bedient werden, der sie nach dem letzten Urlaub fragen kann, der hilfsbereit ist und die Verabschiedung mit einem Lächeln quitiert und nicht mit einem Summton. Ein Selbstverbucher als Ergänzung ist sicher eine feine Sache, und als zusätzliche Verbuchungsmöglichkeit ist so ein Gerät sicher sinnvoll, aber das alleine macht keine moderne Bibliothek aus. Für mich setzt sich eine moderne Bibliothek aus ausgepfeilter, funktioneller Technik, einem Personalstamm, welcher sich mit eben dieser Technik auskennt, kompetent unter zur Hilfenahme der neuen Medien beraten kann, dabei freundlich und zuvorkommend ist und einer Leitung, die offen und zugänglich für neue Ideen ist, zusammen.
Gelingt es, diese Faktoren zu vereinen, steht unseren Bibliotheken im Land eine rosige Zukunft bevor…
Just my two cents…
Gruß, Martin