Technologie ist nur ein Werkzeug…

26 10 2012

Guten Morgen zusammen,

ich stehe noch so ein bisschen unter dem Einfluss des tollen Vortrags von Michael Stephens von gestern Abend in der FH Köln. Michael Stephens ist Professor an der “School of Library and Information Science at San Jose State University” und ein begehrter Sprecher auf Bibliothekartagen und Fachtagungen. Dank der Zukunftswerkstatt ist es gelungen ihn für einige Auftritte nach Deutschland zu holen. Gestern Abend war er in Köln und hat, wie ich glaube, alle Zuhörer begeistert. Eingeleitet von Christoph Deeg startet er seinen Vortrag und hat uns seine Sicht von modernen Bibliotheken dargelegt.

Da die Tour noch andauert, möchte ich nicht allzuviel verraten, aber ich war überrascht, wieviele seiner Ideen und Sichtweisen mit meinen identisch sind. Wie so oft nach solchen Veranstaltungen habe ich den Kopf voller toller Ideen für “meine” Bibliothek, die Mediothek Krefeld. Man wird sehen, was man davon wird umsetzen können. Einiges von dem, was Michael da vorgestellt hat, machen wir in der Mediothek schon, bei einigem können wir das, was wir tun, noch ausbauen und erweitern.

Einige, tolle Sätze möchte ich dann doch aufgreifen. “Das Lernen endet nicht mit dem Ende des Studiums” sagte Michael gestern vor den anwesenden Bibliothekaren und “BibMenschen”. Damit spricht er mir aus der Seele. Ich erlebe es oft, dass, nicht nur, aber gerade auch, in Bibliotheken am erlernten festgehalten wird. Sind es nicht wir Bibliotheken, die fix mit dem Satz “das haben wir schon immer so gemacht und es hat gut funktioniert” um die Ecke kommen? Die Diskrepanz zwischen den Ausführungen bei solchen Events und dem, was ich auf meinen Vorträgen von der einen oder anderen Bibliotheksleitung zu hören bekomme, könnte größer nicht sein. Natürlich bin ich nicht weltfremd, weiß auch um Kämmerer und Traditionalisten in den Verwaltungen und den Bibliotheken, aber wenn der Funke der Veränderung nicht mal in uns glimmt, die wir täglich mit der sich rasch verändernden Lebensrealität unserer Kunden konfrontiert werden, ist das doch sehr traurig, oder? Versteht mich nicht falsch, nicht alles “alte” ist schlecht, aber vielleicht kann man es mit neuem optimieren?
Ich würde mir mehr Leute wünschen, die einfach mal in kalte Wasser springen. Mal ein Gamingevent durchführen, mal mit Hilfe von Facebook einen Autor für eine Lesung buchen, mal via Twitter eine Community zur Mithilfe aufrufen, mal mit FlickR einen Bilderwettbewerb starten, mal ein Special bei Foursquare einrichten….was haben wir denn zu verlieren?

Einen weiteren Ausspruch fand ich wichtig: Technolgie ist nur ein Werkzeug…
Richtig! Ziel einer Bibliothek sollte es sein, den Menschen zu helfen. Wir sollten in der Lage sein, das mit den Mitteln zu erreichen, die es eben gerade bedarf. Letztlich machen wir den Job mit dem Herzen, jedenfalls sollte es so sein. Wenn wir in der Lage sind, das Ziel mit Technologie zu erreichen ist das super, wenn wir die Technologie nur um der Technologie willen einsetzen ist das Quatsch.

Glänzende Augen bekam ich, als es um das Thema Maker- und Hackerspaces ging. Menschen erfinden Dinge in der Bibliothek. Es wird gearbeitet und entwickelt in der Bibliothek. Für mich eine tolle Vorstellung. So ein bisschen unter der Hand wurde klar, dass es in NRW eine Bibliothek gibt, die auf dem Weg dahin ist. 3D Drucker, Räume mit PCs, Social Networking in der Bibliothek.

Das was jetzt kommt schreibe ich nicht, weil mein Chef mitliest ( ;) ), sondern weil es meine Überzeugung ist. Ich habe in einigen Bibliotheken gearbeitet, in vielen Praktika absolviert und in etlichen Vorträge gehalten. Alle diese Einrichtungen sind ausgestattet mit tollen Mitarbeitern, kreativen Geistern und fortschrittlichen Ideen. Oftmals allerdings hängt es an irgendwelchen äußeren Hindernissen, inneren Unstimmigkeiten oder konservativen Leitungen….ich bin froh und dankbar, dass ich in der Mediothek Krefeld angekommen bin. Ein fester Vertrag in diesem Haus ist für mich der absolute Jackpot! Ich kann Beruf und Hobby verbinden, meine Interessen in meine tägliche Arbeit einbringen. Gibt es etwas schöneres? Wir haben einen Neubau, um mich herum arbeiten tolle Menschen, die die Notwendigket von modernen Bibliotheken erkannt haben und mit mir an einem Starng ziehen. Klar, auch bei uns gibt es noch viel Potential noch besser zu werden und neue Ideen umzusetzen, aber wir haben eine fantastische Ausgangssituation und ich glaube, dass man von der Mediothek Krefeld in der Bibliothekswelt noch viel hören wird….nicht zuletzt Dank Vorträgen wie die von Justin Hoenke oder eben jetzt Michael Stephens!

So, ich hoffe, ich habe Euch mit dem Bibliothekskram nicht genervt, aber es war mir irgendwie ein Anliegen ;) Ach ja, er doch schon mal “spoilern” will….hier gibts die Folien von Michael zum Download:  http://dl.dropbox.com/u/239835/StephensLearningEverywhereGermany.pdf

Gruß, Martin

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4 Antworten

26 10 2012
Anna Mü

Schön geschrieben :) Eigentlich hatte ich auch zu dem Vortrag gewollt, aber irgendwie hat’s dann doch nicht geklappt – was ich jetzt, wenn ich das so lese, ziemlich bereue. Naja: Wat fott es, es fott.. Vielen Dank für den Link zur pdf!

26 10 2012
Martin

Vielen Dank. Ja, es war ein toller Vortrag….

29 10 2012
Gelesen in Biblioblogs (43.KW’12) « Lesewolke

[...] Technologie in Verbindung mit neuen Ideen und Herzlichkeit predigte. Blogbeiträge dazu gab es in Martins Blog und hier bei [...]

29 10 2012
berlinfami

Danke für den Link zu den Folien. Ich habe den Vortrag in Berlin gehört. Mir kam der Unterschied zwischen dem was wir täglich machen und was für machen könnten auch sehr groß vor. Hoffentlich merken die Kollegen der Generation “das haben wir schon immer so gemacht” bald, dass sie mit dieser Einstellung in Zukunft nicht weiter kommen. Allerdings hatten Michael Stephans Beispiele auch einen starken Bezug zu öffentlichen Bibliotheken. Ich werde meinen Kollegen mal dieses Motto präsentieren: “As Much Chaos as We Can Stand” . Mal sehen, was sie dazu sagen.

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